Den größten Teil des Sonntags damit verbracht, Flyer und Mails für unser Seminar in zwei Wochen zu produzieren und mich dabei mit meinem Postausgang rumgeärgert, der sich zickig wie eine Diva, oder wahlweise bockig wie ein alter Ehemann (Anwesende natürlich in jedem Fall ausgenommen) verweigerte. Weiß nicht, wie oft manche Empfänger mein Schreiben erhielten. Dagegen war es eine richtige Wohltat, Briefumschläge zu adressieren, mit hübschen Marken zu bekleben und ästhetisch gestaltete Zettel da rein zu falten.Seit fast zwei Jahren verwende ich das Bild oben als Logo für meine schamanischen Seminare und Kurse, weil es am ehesten etwas von dem ausdrückt, wie ich mich bei meinen Traumreisen erlebe. Ich hatte es in einigen Büchern gefunden, und es stand auch mal der Name des Künstlers dabei: Jessie Oonark, 1971. Hatte mir auch schon überlegt, den Namen ganz klein zum Bild zu schreiben, aber meine Flyer sind immer so pickepackevoll und mein Können am PC so spärlich, dass es bei dem Vorsatz blieb.
Aber heute wollte ich es wissen und habe im Netz gefunden, dass Jessie eine kanadische Inuitfrau war, die wahrscheinlich 1906 geboren wurde und 1985 starb. Ihr Vater war Schamane, und ihre Familie gehörte zu den halbnomadischen arktischen Jägern, die in der traditionellen Weise lebten.
Jessie Oonark begann erst im Alter von 52 Jahren mit ihrer Kunst, die heute in Museen ausgestellt wird. Damit verstieß sie gegen einige Tabus ihres Volkes. Das muss in dem Jahr gewesen sein, als ich mir die Zöpfe abschneiden ließ. Mittlerweile hatte sie acht Kinder groß gezogen, ihr Lebenspartner war gestorben, und sie hatte einige Hungerkatastrophen überlebt.
Viele Galerien in Amerika und Europa verkaufen ihre Bilder, die von ihrem Leben erzählen, aber auch Mythen und Legenden aus ihrer Heimat darstellen. Jessie war eine aufmerksame Beobachterin für den Wandel und die Zerstörung ihrer Kultur, für die Rolle der Frau darin, und sie hat sogar die Ankunft der ersten Flugzeuge dokumentiert.
Ich werde heute eine Kerze für Jessie Oonark anzünden.

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