27.3.06

Spaziergang mit Schwestern

Das hätte ich mir ja gleich denken können, dass das mit der Artemis noch nicht erledigt ist. Einen Platz in der Wohnung habe ich für sie auch noch nicht gefunden, will erstmal abwarten, welchen Platz sie in meinem Leben finden wird.


Habe zunächst mal in meinen – zugegebenermaßen zahlreichen – Göttinnenbüchern gestöbert. Ich fand heraus, dass Artemis die Göttin des Mondes und der Wälder ist und auch als die Mutter der Tiere verehrt wurde. Bären, Hunde, Hirsche und andere Tiere gehörten zu ihrem Geleit. Sie trug oft einen glänzenden Bogen als Symbol für die Mondsichel und die Jagd und wurde gelegentlich auch als Baum dargestellt. So weit so gut. Allerdings kann ich mir diese Artemis im Wald gar nicht vorstellen mit dem vielen Gehänge an ihr und der hohen Kopfbedeckung. Aber die Figur trägt immerhin zwei Löwen auf ihren Armen, und auch sonst sitzt noch allerlei Getier auf ihr.


Artemis Tempel in Ephesos war unglaublich riesig und prächtig, alles aus Gold und Marmor, der berühmte Herr Krösus hatte ihn nämlich gebaut. Nach einer Zerstörung wurde er dann noch viel größer und prächtiger wieder aufgebaut. Über viele Jahrhunderte wurde Artemis dort verehrt. Heute kann eine die ausgegrabenen Ruinen besuchen, was meine Freundin Ulrike getan hat.


Bemerkenswert fand ich noch, dass vor langer Zeit auf einem tumultuösen Kirchenkonzil in Ephesus per Abstimmung beschlossen wurde, Maria zur Gottesgebärerin zu erklären, die heutige Gottesmutter. Hat das vielleicht sogar mit einer langen Tradition der Verehrung einer mächtigen, weiblichen Gottheit in dieser Stadt zu tun? Auch soll Maria dort gestorben sein, und der Platz - eine Kapelle steht da - ist heute noch ein Wallfahrtsort. Allerdings hauptsächlich von Moslems besucht, die sie als die Mutter des Propheten Jesu verehren.


Artemis, die römische Diana, ist auch die Jungfrau, das hieß damals keinem Mann angehörig oder untertan. Sie hat wohl außer der Geschichte, die ihr mit ihrem Zwillingsbruder Apollon angedichtet wurde, auch nie etwas mit Männern gehabt. Sie hielt es lieber mit den Frauen. Kallisto hieß ihre Geliebte, die sie leider in einem Anfall von Eifersucht tötete, als diese schwanger wurde und die posthum sozusagen als das Sternbild der Großen Bärin an den nächtlichen Himmel versetzt wurde.


In einem Buch fand ich, dass Artemis als Archetyp es einer Frau ermöglicht, sich auch ohne Mann ganz zu fühlen, eine kostbare Fähigkeit, wie ich finde. Eins mit sich selbst sein und für sich selber sorgen können schenken einer Frau Unabhängigkeit und Selbstvertrauen, womit ich schon mitten in meinen Themen drin bin. Deshalb mache ich hier lieber mal Schluss.

Ganz wichtiger Nachtrag in anderer Sache noch. Erstmal danke für Deinen erhellenden Kommentar, Labbatú. Grad ist mir beim Sonnenbaden auf dem Balkon zwischen zwei Fastaprilschauern ein leuchtend gelber Zitronenfalter über den Kopf geflattert. Las gestern erst, dass sie zu den sicheren Frühlingsboten gehören.

3 Kommentare:

Sati hat gesagt…

Liebe Juansi,
zu Artemis und ihren Schwestern habe ich mal gelesen, daß die ollen Griechen viele der ursprünglichen Göttinnenqualitäten kurzerhand demontiert haben und sie ihren patriarchischen Bedürfnissen angepasst haben. Im Falle der Artemis war es demnach so, daß sie zuvor - es gab sie schon vor der Übernahme durch die Griechen in deren Pantheon - eine ganz Wilde und sehr eigenständige Frau war, die eben durch die Wälder streifte und sich mit den Tieren gut stand (und diese auch nicht tötete). Meiner Information nach hatte sie zahlreiche Liebhaber und war sehr un-verschämt, allerdings galt sie deshalb als "Jungfrau", weil sie keinen Mann zum Leben nahm sondern eben die Partner nach Bedarf wechselte. Demnach nehme ich an, das ihr solch ein schönes, aber recht unpraktisches Kleid und anderes schmückendes jedoch beim Streifen durch Wälder eher hinderliches Beiwerk durch die griechischen Chauvis angehängt wurde, um sie ihrer wilden Karft zu berauben. Wie es ja wohl sehr vielen Göttinnen wiederfahren ist. Irgendwann. Bevor sie sich nun in unserer Zeit ihrer guten alten Qualitäten wieder erinnern.
Finde, die zwei sehen so aus, als hätten sie den Spaziergang echt genossen! Neidische Grüße von Labbatú, die auch ein Haus mit Garten will und viel mehr Zeit in der Natur verbringen will, y su cuervo libre

Anonym hat gesagt…

Hallo,

kann es sein,dass der Begriff
Jungfrau eine Frau bezeichnet,
die noch nicht geboren hat?

Juansi hat gesagt…

Hallo Anonymus,
kann schon sein, wär echt ne einfache Definition. Ich hatte immer nur gelesen, dass Jungfrau keinesfalls dasselbe bedeutet wie bei uns heute, also Keuschheit.
Grüße Juansi