
Was mich jedes Mal tief beeindruckt und sogar mit Ehrfurcht erfüllt, haben die Heilen HeilerInnen gestern wie nix verkonsumiert. Wir waren 21 Frauen und Männer (Männer 2!) und haben ungefähr zehn Minuten lang gemeinsam getrommelt und gerasselt, auf Anhieb ähnlich harmonisch wie den Abend zuvor bei uns. Dann noch mal für die gleiche Zeit eine kleine schamanische Reise gemacht zum Reinschmecken.
Alle hatten Bilder und Erlebnisse, manche sogar eine ziemlich komplexe Abfolge davon. Aber überwiegend schienen sie ziemlich unbeeindruckt hierüber, was mich verwirrte. War das so, weil Jede selber therapeutisch arbeitet oder weil sie mit anderen Praktiken schon viele ähnliche Erfahrungen gemacht haben? Oder weil in diesem Kreis bei jedem Treffen eine andere Teilnehmerin ihre Arbeit vorstellt oder meine Erwartungen einfach zu hoch waren?
Ich fühlte mich mit meiner Arbeit das erste Mal irgendwie nicht richtig ernst genommen. (Das führte mich gleich zu der Frage: nehme ich meine Arbeit denn selber ernst genug, oder will ich wie immer bloß spielen?) Andererseits verschafft mir das eine, mir in diesem Zusammenhang unvertraute aber nicht unangenehme Wahrnehmung von Leichtigkeit. Sind es möglicherweise meine Beeindruckbarkeit und meine Ehrfurcht, die hier fehl am Platze sind? Die Wissenschaftler in dem Bleepfilm berichten auch scheinbar unbeeindruckt von ihren Bahn brechenden Forschungsergebnissen und Bewusstseins sprengenden Theorien.
Aber ich komm einfach aus dem Staunen nicht heraus.

6 Kommentare:
Hola, Juansi!
Danke für das schöne Adlerbild!
Und auch für das ergreifende Hilde-Anschiedsbild kürzlich.
Ich habe übrigens die Wissenschaftler im Bleep als sehr hingebungsvoll, ergeben, begeistert (von "Geist") und andauernd fasziniert wahrgenommen.
Natürlich sind diese Menschen über Jahre mit ihren Aufgaben in die Erkenntnisse hineingewachsen und tief vertraut mit ihrem Nichtwissen, während mancher Kinobesucher vielleicht zum ersten oder zweiten Mal von "sowas" hört und ganz aus dem Häuschen ist.
Wahrnehmungen eben mal wieder.
"Sind es möglicherweise meine Beeindruckbarkeit und meine Ehrfurcht, die hier fehl am Platze sind?" -
Du hast es vermutlich mit "alten Hasen" zu tun, nicht mehr und nicht weniger.
Begeisterungsfähigkeit hält mich lebendig und öffnet mir neue Möglichkeiten. Wenn ich die nicht verspüre, fühle ich mich tot.
Beeindruckbarkeit bringt mich eher von mir weg und birgt Gefahr, manipulieren zu lassen. Finde ich.
Ehrfurcht vor anderen Menschen habe ich nicht, aber manchmal viel Respekt, Achtung vor dem, was sie tun.
Ehrfurcht habe ich glaube ich nur vor dem, was ich eigentlich bin, vor dem, was auch die Wissenschaftler im Bleep nicht rauskriegen.
Was war es denn, was dich so beeindruckt hat?
Saludos, Labbatú y su cuervo curioso
Bin immer so beeindruckt von der Tiefe und gleichzeitig endlosen Weite des "inneren" Universums der Menschen, mit denen ich arbeite, welches ich gleichzeitig als meines erkenne, und meine Ehrfurcht bezieht sich auf "etwas Göttliches", was ich darin wahrzunehmen meine.
Ja, >tief vertraut mit ihrem Nichtwissen< macht mich lächeln. Alles ist ganz anders, als ich dachte, aber ich weiß nicht wie.
Beeindruckbarkeit jedoch ist mein zweiter Vorname, ich nehme es als meine "Bestimmung" wahr, mich beeindrucken zu lassen, in dem Sinne werde ich wohl nie ein alter Hase werden, auch wenn ich einer bin nach Jahren gezählt und im chinesischen Horoskop.
Herzliche Grüße vom jungen Hasen Juansi, die immer einen wachen inneren Kritiker im Ohr sitzen hat
Ich glaube, der Typ in deinem Ohr braucht dringend mal eine lange Ruhepause. Ich meine, er macht doch meistens viel Lärm um nichts, oder bringt er vielleicht wirklich berührenden, begeisternden Erkenntnisse, was das Leben betrifft?
Und sag´ihm: Kritiker sind meistens Leute, die das, was sie kritisieren, gerne machen würden, aber irgendwie sind sie verhinderte Existenzen.
So.
Ich habe mich früher auch immer gerne und schnell beeindrucken lassen - das hat sich geändert, seit ich nicht mehr jemand anderes sein möchte, als ich bin.
"Ich bin stark, klug, weise, schön und gut. Und das habe ich mir alles selbst beigebracht." Stanislav Jerzy Lem
Labbatú y su cuervo riendo mucho
Hallo starke, kluge, weise, schöne und gute Labbatú mit dem geschwätzigen Raben,
danke für Eure Fürsorge um mein Wohlergehen. Bin aber sehr froh über diesen kleinen Mann in meinem Ohr, schützt er mich doch davor, mich bei all meiner wunderbaren, mondenhaften Beeindruckbarkeit allzu leicht manipulieren zu lassen.
Ich lasse mich gern und tief beeindrucken, um in der Schule des Herzens zu lernen, nicht, weil ich jemand anderes sein möchte.
Meine Begeisterung kommt nämlich auch nicht aus dem Ohr, sondern meistens genauso aus meinem Herzraum, und da hat der kleine Mann nichts zu melden. Host mi?
Juansi und ihr kleiner Mann
"Ihr habt es verlernt, wie die Kinder zu staunen. Aber nur mit dem Staunen wie es uns als Kinder eigen war, sind wir fähig, unsere Welt zu verstehen." Der Satz stammt von einem Schamanen, der als bayerisch-indianischer Mischling aufgewachsen ist und in beiden Welten heimisch war. Ein toller Mann, er lebte in seinem Tipi mitten im bayerischen Hügelland, hat den Kindern der Umgebung Regen- und Sonnentänze beigebracht und mich schwer beeindruckt. Und er hat Recht. Wer staunt, nimmt den Moment wahr, lebt mit all seinen Schätzen aus der Vergangenheit bewusst in der Gegenwart, um gut gerüstet in die Zukunft zu gehen. Leider ist mein Schamane schon gestorben. Hätte gerne mehr Zeit mit ihm verbracht -obwohl jetzt wäre das von hier aus auch etwas schwierig...
Aber im Ernst, vielleicht ist es manchmal gar nicht nötig, alles genauestens zu analysieren. Vielleicht ist es manchmal besser, einfach nur zu staunen und zu genießen.
Liebe Grüsse Gabriela
Liebe Gabriela,
danke für den Satz und den kleinen Bericht über Deinen Schamanen. Mir vermittelt das Staunen auch eine Empfindung von Lebendigsein und Wachstum. Im Gegensatz dazu, wenn ich meine, alles schon zu kennen und zu wissen.
Wer weiß, vielleicht steht der Schamane - auch wenn er nicht mehr unter uns weilt - aus der anderen Welt heraus immer noch in Kontakt mit Dir.
Herzliche Grüße Juansi
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