Um Sieben dann dagegen schon die volle Dröhnung - nach der Uhrzeit noch drei mal drei extra langsame Schläge mit der tiefen Glocke, und dann geht es los: minutenlanges Bimmeln mit allen Glocken, bis auch der Letzte aus dem Bett gefallen ist. Das Gleiche dann noch mal um Zwölf und um Sechs Uhr abends. Um 22 Uhr dann zum letzten Mal die normale Zeit, und dann – Halleluja! In der Nacht dürfen wir schlafen, wenigstens bis Sechs Uhr morgens, was besonders die Feriengäste und ihre Vermieter freut.
Dann natürlich zu jeder Messe, wenn jemand gestorben ist und zu all den anderen kirchlichen und dörflichen Gelegenheiten. Hören sie eigentlich überhaupt mal auf zu bimmeln?
Und dann frag ich mich, wie die Falken das aushalten. Haben die keine Ohren bzw. kein Gehör? Ist das jetzt schon Tierquälerei? Immerhin sah ich sie heute beim Siebenuhrgeläut zu viert um den Kirchturm flattern und fliegen und zwischendurch auch mal sitzen auf den Firsten der Turmerker oder auf der vergoldeten Turmspitze mit der Kugel und dem Wetterhahn.
Die Schwalben interessieren sich auch immer sehr für die Falken, fliegen im Pulk Attacken gegen sie und versuchen, sie zu irritieren. Bei den Jungvögeln manchmal sogar mit Erfolg, die kommen dann mächtig ins Trudeln.
Also das Fußballspiel gestern Abend war ja vom Feinsten. So schön hatten sie noch nicht gespielt! Und der Schweini in seiner Berserkerlaune, der es sich und der ganzen Welt beweisen wollte, atemberaubend!
Habe jedoch von Anfang an und auch im weiteren Verlauf des Spiels private Studien darüber betrieben, wie unterschiedlich sich die Nationalitäten bewegten. Die Bewegungen der Portugiesen empfand ich wie ein anmutiges Raubkatzenballett, beneidenswert elegant und geschmeidig. Der Übergang vom – sagen wir mal – Standby Modus zur vollen Power verlief irgendwie immer richtig fließend. Schön anzuschauen.Die deutsche Motorik dagegen war eher grob zu nennen, zwar kraftvoll, aber irgendwie steif und abgehackt, jede Bewegung wie mit Extraanlauf, dafür im entscheidenden Moment mit Bumms und Haudrauf. So stelle ich mir die ollen Germanen oder Teutonen vor, die in den endlosen Wäldern Buchonias hausten und als Berserker und Wolfskrieger die Römer das Fürchten lehrten. Leider hat das in diesem Jahr gegen Italien ja nicht geklappt. Dazu das grimmige Gesicht von Kahn, und Schweinsteiger hat auch wild entschlossen dreingeschaut. Ich habe das gestern irgendwie das erste Mal richtig verstanden, warum wir Ausländern manchmal seltsam erscheinen müssen.
Ich freu mich jedenfalls wie narrisch über den dritten Platz, der erste hätte gar nicht schöner sein können. Und sogar Angie fand ich süß, wie sie den Klinsi abgebusselt hat. Der soll übrigens laut einer amerikanischen Zeitung ‚der coolste Deutsche seit Marlene Dietrich’ sein.

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