8.7.06

Stadtlandfluss

die golbich
Am Morgen machten die Vögel im Gebüsch und den Bäumen am Bach ein derartiges Riesengelärme, dass es mich an meine CD mit den Urwaldgeräuschen erinnerte. Eigentlich fehlten nur die Affenschreie. Ich war mittendrin im Dschungel, der Bach rauschte beständig dabei. Es regnete zwar nicht, aber die Luft war schwer und dick von Feuchtigkeit und die Landschaft schien sich im Dunst aufzulösen. Es roch intensiv nach Kamille, die auf den Wegen blühte, und nach irgendwelchen süßen Blumen. Später quälte sich die Sonne ganz allmählich durch Nebel und Wolkenschleier, und es schien sogar noch feuchter zu werden.

mais fürs liebe vieh

Später dann mit dem Liebsten frühstücken gegangen, mal wieder in diese Kifferspelunke mit der sagenhaft guten Küche. Wir saßen aber draußen auf der Straße, da hat es besser gerochen als drinnen. Ja ja, immer diese militanten Nichtraucher. Wir haben einen Geburtstagsgutschein abgefrühstückt im wahrsten Sinne des Wortes. Bei der Autofahrt Dimanche à Bamako von Amadou&Mariam auf dem Aldibilligempedreiplayer gehört, der es nur bei Plusgraden tut. Der französische Sommerhit vom letzten Jahr, bei dem auch Manu Chao mitmacht. Immer noch schön, und inzwischen können wir dazu auch ordentlich mitschmettern.

Heute gab’s auch wieder mehr Deutschlandfähnchen auf den Straßen zu sehen. Laut einer von mir oberflächlich erstellten Statistik außer an Taxis signifikant häufiger an größeren Limousinen, besonders Mercedes und BMW, auch gern an jugendlich-sportlichem Gerät wie Porsche oder Mini Cooper. Seltener an unscheinbaren und/oder älteren Kleinwagenmodellen.

Lange nicht mehr in der Stadt gewesen, es gab so viele neue Läden und Gaststätten, und so viele alte waren verschwunden. Fulda ist die Stadt mit der größten oder zweitgrößten Gastronomiedichte in Deutschland hab ich mal gehört. Mein ehemaliger Laden war auch schon wieder zu vermieten. Auf dem Markt gewesen, Leute getroffen, ein bisschen shoppen gegangen, alles sehr entspannt.


traumfänger

5 Kommentare:

Sati hat gesagt…

Was hattest du denn für einen Laden? Und lief es gut oder wie? Labbatú y su cuervo curioso

Juansi hat gesagt…

Elf Jahre lang 'Düfte und Steine', von 1990-2001, Aromatherapie und Steinheilkunde. Lief gut, hat Spaß gemacht, war jede Menge Selbstausbeutung dabei, und irgendwann war's rum.

Gutes Spiel, oder?
Juansi

Sati hat gesagt…

Hört sich interessant an. Und auch schön. Allerdings kann es sein, daß ich so etwas ein wenig "überromantisiere", weil ich auch immer mal wieder von einem Laden mit Steinen und anderen schönen Dingen des Lebens träume. Vielleicht kannst du mich ja erfolgreich desillusionieren? Und was meinst du mit "jede Menge Selbstausbeutung?". Wieviel hast du denn im Schnitt so rausgehabt mit dem Geschäft? Oder ist das geheim? Falls du Lust hast, nochwas dazu zu erzählen, üwrde ich mich freuen. Schönen Gruß, Labbatú y su cuervo bissssnääs

Juansi hat gesagt…

Es war wirklich romantisch bis zum Abwinken, da kann ich Dich leider gar nicht desillusionieren, ich habe es richtig geliebt. Aber der Stundenlohn war unterm Strich im Schnitt so wie Deiner, bloß in D-Mark. Habe aber viel in den Jahren gelernt, über die Menschen, die Welt und über mich selber, was mit Geld gar nicht zu bezahlen ist. Ich weiß jetzt auch, dass ich gar keine Geschäftsfrau bin, dazu bin ich viel zu idealistisch und philosphisch veranlagt.
Die beiden Sozialarbeiterinnen, denen ich den Laden dann verkaufte, haben ein Vielfaches damit erwirtschaftet, und das hat ihnen noch immer nicht gereicht.
Vielleicht bist Du ja die geborene Geschäftsfrau, das kann eine erst wissen, wenn sie's probiert.

Grüße Juansi

Sati hat gesagt…

Hola, Dschuan-si!
Danke für die Nicht-Desillusionierung, in diesem Fall ist es mir lieber, ich darf noch ein bischen weiter romantisieren und ggf. probieren. Die geborene Geschäftsfrau bin ich nicht, dafür habe ich schon zuviele Crashs hinter mir, allerdings immer in Verbindung mit anderen Leuten/"Geschäftspartnern" (Kneipe, Weihnachtsmärkte). Als ich dann meine eigenen Weihnachtsmarktbuden laufen hatte - ohne andere Leute - ging es ganz gut, wenn ich auch nicht übermäßig verdient hatte am Ende, aber ich hatte verdient. Und meine Leute (Aushilfen, alles geht ja nicht allein) waren ebenfalls sehr zufrieden mit mir und dem ganzen Drumherum "auf Arbeit". Jetzt, beim Taxifahren, lerne ich unter anderem auch viel über Geld und Geldgebaren im allgemeinen und bei mir selbst im speziellen. Vor allem auch über´s Nehmen. Über Geben, Nehmen, Fordern, Nichtgebenwollen, Geiz, Großzügigkeit, Überfluß... Als ich mit dem Fahren anfing, war es mir fast unangenehm, den Fahrpreis zu nennen und zu verlangen. Inzwischen sage ich ihn laut und deutlich. Und verkaufe Spezialfahrten wie Botenfahrten nicht unter Wert bzw. rechne noch ein bischen Trinkgeld für mich mit ein.
Danke für die Erhellung, Labbatú y su cuervo bisssssnäääs