27.8.06

Er steht...


…der Kirmesbaum, der woanders Maibaum heißt und noch woanders vielleicht noch ganz anders.

Warum dieses uralte Symbol der Menschen und ihrer Fruchtbarkeit bei uns jedoch in die zweite Jahreshälfte gerutscht ist, ist der Sorge von Kirche und Obrigkeit früherer Jahrhunderte zu verdanken, die glaubten, dadurch die „Tanzwut“ der jungen Leute eindämmen zu können. Der ungefähr fünfzehn Meter hohe Baum steht schräg vor unserm Haus, nicht zu nah an der Kirche, aber auch nicht zu weit weg von ihr.

Der gute alte Lingam, an dessen Lack in unserer Gesellschaft heftig gekratzt wurde in den letzten Jahrzehnten, umschlossen von der doppelten, runden Yoni in Gestalt zweier grüner Kränze, die den Baum ringförmig umfassen, geschmückt mit flatternden bunten Bändern. An der Spitze krönt ein Weihnachtsbaum die Pracht. Ist der ganze Baum ein Sinnbild der friedlichen Vereinigung und Versöhnung zwischen den Geschlechtern?

Mindestens vierzehn Mädels und Jungs, Jugendliche aus dem Dorf, waren unter viel Palaver und Gelächter und Motorsägenlärm mehrere Stunden damit beschäftigt, ihn zu schmücken und aufzurichten. Zum Schluss kam noch ein Kranwagen zum Einsatz.

Die jungen Leute bilden während der Kirmestage feste Paare und werden auch den traditionellen Dreireihentanz um den Baum zusammen tanzen. Früher waren es besondere Reigentänze, die zu diesem Anlass getanzt wurden, heute sind es meistens Walzer und Polka und ähnliches. Die Tänzer verkleiden sich sogar dafür, obwohl es unserer Gegend gar keine Trachten mehr gibt. Und im Übrigen wird natürlich wie immer gefeiert, gefuttert und gesoffen, bis die Schwarte kracht. Das war auch schon immer so. Hoffentlich hält das Wetter.

2 Kommentare:

Zauberhaus hat gesagt…

Wow, das sieht aber super aus!
Wünsche allen ein frohes geniessen und versöhnen mit dem Kosmos.
Viele Grüsse
Reto

Juansi hat gesagt…

Grüße zurück und eine gute Rückführung!
Juansi