
Vergessen drei Mal auf Holz zu klopfen als ich schrieb, das viele Lachen am letzten WE würde unser Immunsystem auf Wochen hinaus schützen. Anna und ich haben jetzt beide eine schlimme Bronchitis, sie in Kirchhain und ich hier. Gestern auch fast 39° Fieber gehabt, nicht mal der Computer konnte mich aus meiner Lethargie reißen. Dabei hatten mein Körper und speziell meine unteren Atemwege sich schon bald nach der Heimkunft von unserer Reise mit morgendlichem Husten beschwert. Einfach zu viel kalte Rhönluft zu tief inhaliert. Ich mal wieder nicht hingeguckt, gedacht, das verschwindet, wie es aufgetaucht ist, aber Pustekuchen!
Deshalb schon am frühen Morgen ferngesehen. Einen Film mit dem wirklich alten Jack Lemmon - kaum wiederzuerkennen - über den Sinn des Lebens und des Sterbens, Dienstags bei Morrie. Ich hätte bestimmt eine Packung Taschentücher gebraucht, hatte aber keine auf dem Sofa, und zum Aufstehen war mir zu kalt. So habe ich mir die Tränen andauernd mit den Händen fortgewischt und feste geschnieft. Irgendwie tat das richtig gut, mich mal wieder aus voller Seele auszuheulen.
Jack Lemmon erzählt in dem Film viele Geschichten, unter Anderem eine von einer buddhistischen Praxis, und die geht so: ich stelle mir vor, auf meiner linken Schulter sitze ein kleiner Vogel, den ich jeden Morgen fragen kann, ob dies der Tag ist, an dem ich sterbe. Und den ich fragen kann, ob dies das Leben ist, das ich leben möchte, und ob ich die bin, die ich sein möchte.
Nee, also darüber habe ich natürlich nicht geheult, das fand ich nur ganz wunderschön. Und eigentlich auch sehr schamanisch.
Was mich wieder an unser Seminar erinnert. Von meinem Montagabend in der Volkshochschule haben sich zwei der Frauen mittlerweile angemeldet. Auf unseren Veranstaltungshinweis gestern im Anzeigenblättchen waren aber bisher nur zwei Anrufe. Einer schien von irgendeiner Nachbarin, die nicht mal ihren Namen nannte, sondern nur wissen wollte, wo genau die Veranstaltung stattfindet. Der andere ein interessierter junger Mann, der aber keine Ahnung hatte, was denn Schamanismus nun eigentlich sei.
Dabei fand ich den Zeitungstext sehr ansprechend. Und speziell die Veranstaltungshinweise in diesem Blättchen werden immer viel gelesen. Vielleicht muss ich mich doch mal lösen von der klassischen Terminologie seit Michael Harners Weg des Schamanen. Denn ich finde es eigentlich besonders schön, wenn Menschen kommen, die noch gar keine Vorerfahrung haben mit den sogenannten alternativen spirituellen Praktiken. In Fulda ist ja alles sehr katholisch. Ich glaube, es ist der schwärzeste Ort Deutschlands nach Alt-Ötting. Entsprechend groß sind die Berührungsängste.
Trotzdem erlebe ich immer wieder, dass es anscheinend viele Menschen gibt, die spontan schamanisch reisen. Nur wissen sie nicht, wo sie einordnen können, was sie da erleben, sprechen meistens nicht offen darüber und können es auch nicht strukturieren und wirklich für ihr Leben nutzen. Da spiele ich gern Hebamme.
Aber ich weiß ja noch nicht mal, ob ich am Wochenende überhaupt schon wieder auf den Beinen bin.

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