24.1.06

Raven Talk


Dies Bild neulich auf einer Seite mit Inuit-Kunst gefunden, es heißt Raven Talk oder so ähnlich. Auf der Suche nach dem Künstlernamen aber heute unter diesem Namen nicht mehr fündig geworden. Seis drum, ich finds schön und zeige es, um zu verdeutlichen, wie es in meinem Kopf aussieht, seitdem ich an meinem Blog schreibe.

Schwärme von Wörtern, Ausdrücken, Wendungen, ja ganzen Sätzen schwirren mir durch den Kopf wie die Zugvögel, wenn sie sich im Herbst zum Abflug bereit machen. Da sind sie ja auch einige Wochen lang damit beschäftigt, sich scheinbar chaotisch in immer neuen Formationen zu sammeln, aufzufliegen und sich wieder niederzulassen. Dabei gibt es keinen Chef und keine Chefin, die Kommandos piepsen, sondern das passiert ganz organisch-anarchisch und funktioniert jedes Jahr.

Was das mit meinen Gedanken zu tun hat? Ich weiß es auch noch nicht genau. Ich weiß nur, wie es sich anfühlt. Ich schlafe abends damit ein, wache nachts damit auf, und tagsüber geht es grad so weiter. Dazu muss ich vielleicht erklären, dass ich mir das Denken bis auf einige rudimentäre Funktionen fast ganz abgewöhnt hatte. Ich war stilvoll-genüsslich am Verblöden, so wie andere Menschen stilvoll verarmen. Nach einem anstrengenden Leben mit höchsten intellektuellen Ansprüchen hatte ich mir das verdient, fand ich. Ich fühlte mich schon fast erleuchtet, bis ich mich mit dem Internet infizierte.

Nun ist es passiert, und ich versuche, das Beste daraus zu machen. Ein Jahr Blog-Schreiben habe ich mir vorgenommen, ehe ich mich daran mache herauszufinden, was ich hier eigentlich tu. Freue mich aber auf jeden Fall schon mal über die Kontakte, die sich auf diesem Weg ergeben haben.

Gestern war das erste - und leider wohl auch das letzte - Treffen von meinem schamanischen Basiskurs in der Volkshochschule. Fünf nette Frauen waren gekommen, und wir hatten einen sehr entspannten und heiteren Abend miteinander. Zwei hätten gern sofort mit der Arbeit losgelegt, einer anderen war es dann doch irgendwie zu esoterisch (und das mir, wo ich das Wort noch nie leiden konnte!), und eine vierte kam von so weit her, dass sie befürchtete, wetterbedingt oft fehlen zu müssen. Mit Fünfen war der Kurs sowieso schon gestorben, was ich gestern noch mit Gleichmut hinnahm.

Heute Morgen bin ich aber schon in sämtliche Gedankenfallen getappt. Eine der Frauen meinte gestern, ja wenn ich einen Computerkurs angeboten hätte, wäre der bestimmt voll gewesen. Aber ich will doch mit meinem Eigenen weitermachen! Es ist halt das, wofür mein Feuer brennt. Muss mir eben überlegen wie und wo. Nebenbei, Computer kann ich auch gar nicht.

Ob am Wochenende genügend Menschen zum Seminar bei uns zusammenkommen, weiß ich auch noch nicht. Aber das wird sich im Laufe der Woche erweisen. Ich habe keine Lust mehr, mich selber verrückt zu machen.

2 Kommentare:

Sati hat gesagt…

Liebe Juansi!
Wenn die Meisterin wirklich bereit ist, kommen die Leute von allein in Scharen herbeigeströmt....oder so ähnlich, es gibt da so eine östliche Weisheit in der Art. Sicher kommen die Interessierten bald von alleine zu dir.
Was das Nicht-Denken in Verbindung mit "genüsslichem Verblöden" betrifft: Ich erlebe das Nicht-Denken wirklich als das Allerklügste, was ich tun (bzw. nicht-tun) kann. In Verbindung mit Nicht-reden nicht zu übertreffen.
Nicht weiter drüber nachdenkend, was ich so von mir gebe im Leben, Labbatú

SonYana hat gesagt…

Well met,
wie freu ich mich gleichgesinnte NichttuerInnen und NichtdenkerInnen hier entdeckt zu haben!
Die Wortschöpfung "Genüssliches Verblöden" mag ich spontan sehr und füge sie ebenso spontan meinem Wortschatz und meinen Zukunftsvisionen bei.
Merry read...
Sonyana