31.1.06

noch mehr Astrologie

Ich weiß, ich bin kein einfacher Mensch. Gibt es die überhaupt? Vielleicht sind sie noch am ehesten unter heterosexuellen Männern mit relativ unbeschwerter Kindheit zu finden: "Wie nun, das Universum dreht sich nicht um mich?"

Ich habe mir mal ein Kinderhoroskop für mich erstellen lassen, also sozusagen mein rohestes Ausgangsmaterial, noch völlig ungeschliffen durch das Leben und so. Also ich glaube, mit diesem Kind hätte ich auch so meine Schwierigkeiten gehabt. Meine Eltern tun mir heute noch Leid.

Ich bin so empfindlich und launisch wie ein Krebs nur sein kann. Habe auch noch nirgendwo in der Betriebsanleitung gefunden, wo der Schalter zum Abstellen dafür sein soll. Außerdem klammer ich mich mit meinen großen Scheren an Alles und Jeden, von dem ich mir Überlebenshilfe verspreche.

Mein Charakter ist eine Mischung aus dem Baby der Dinos und dem Hummer von Disneys Arielle die Meerjungfrau. Selbst wer diese Serien nicht kennt, ahnt schon das Niveau. Vielleicht hätte ich das überhaupt in mein Profil reinschreiben sollen. Das bringt die Sache zumindest auf den Punkt.

Dazu gesellen sich dann noch einige finstere, skorpionische Eigenschaften, auf die ich hier gar nicht näher eingehen will. In meinem Horoskop, wenigstens in dem von Astrodata, ist auch ausdrücklich überhaupt kein Partner vorgesehen, oder höchstens einer, der unglücklicherweise am anderen Ende der Welt wohnt.

Nun wohnt mein Liebster aber bei mir, und er ist ein Wassermann. Kennt Jemand einen Wassermann? Höchstwahrscheinlich schon, stellt diese Spezies doch statistisch betrachtet ungefähr ein Vierundzwanzigstel der Menschheit dar. Alle Astrologiebücher, die ich je gelesen habe, raten von einer Verbindung zwischen Krebs und Wassermann ab, ja die meisten halten sie schlichtweg für unmöglich. Das Treffendste, was ich mal dazu fand, war: Der Wassermann schleppt in dieser Verbindung bleischwere Gewichte an seinen Füßen mit sich herum, statt, wie es für ihn eigentlich vorgesehen ist, sein Domizil auf Wolke sieben aufzuschlagen, und der Krebs kämpft in einem Kühlschrank gegen seelische Erfrierungen.

Trotzdem sind mein Liebster und ich nun schon so viele Jahre zusammen, worauf ich irgendwie nicht wenig stolz bin. Auch wenn er möglicherweise den größeren Beitrag dazu geleistet hat, jedenfalls macht er NIE Bemerkungen über meine Figur.

Aber Einiges habe ich im Verlauf der langen Zeit auch begriffen, und wenn ich begriffen sage, dann meine ich kein Kopfwissen so in dem Sinne wie: "Ach, hast du neulich auch gelesen, dass...?", sondern wirkliche Erkenntnis, die reinhaut wie ein Gongschlag direkt neben deinem Ohr.

Also 1.) Ich musste schon das Risiko eingehen, auch den zweiten Fuß, den ich am Anfang Jahre lang außerhalb der Beziehung stehen ließ, um bei drohender Gefahr schnellstmöglich abhauen zu können, auf den Boden der Gemeinsamkeit zu stellen. 2.) Mein Liebster ist nicht wie ich und weiß es bloß nicht. Ich glaube, das begriff ich, nachdem ich mich lange genug mit der Astrologie beschäftigt hatte. 3.) Mein Liebster ist nicht meine Mutter (mein Vater sowieso nicht, aber das war auch nie das Thema). Das flüsterte mir mal ein Engel in einer schlaflosen Nacht zu. Dem bin ich heute noch dafür dankbar. 4.) Mein Liebster ist nicht wie eine Frau und weiß es bloß nicht. Diese Erkenntnis habe ich Autoren wie Gray und den Pearse zu verdanken. Und 5.) Mein Liebster kann mir keine Wünsche von den Lippen ablesen, auch wenn sich das mein inneres Dornröschen immer gewünscht hat. Ich musste lernen, sie laut auszusprechen.

Das ist doch schon ein ganz ansehnlicher Beitrag zum Erhalt einer ansonsten eigentlich ziemlich anachronistischen Einrichtung wie der monogamen Zweierbeziehung, finde ich. Wir machen es halt, so gut wir können.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jojo dat, äver do häs verjesse, dat dinge liebste ne Rheinländische Wassermann es und die kannste statistisch jesehe für alles jebruche, sojar für Kräbs......
Do wees ich nähmich e leedche vun zo singe, wenn de wees,wat ich mehn.
Grooß
derderschwadekannwieetküt

Juansi hat gesagt…

Wie, is dat D. ochene Krääbs? Dat wusst ich ja nit.

Anonym hat gesagt…

Nein, D ist Stier, aber wie gesagt, rheinische Wassermänner sind für alles zu gebrauchen....
Alles Liebe
DerderaufdieHörnergenommen