17.2.06

Baumfreund

Zwei Waldarbeiter bei der Arbeit getroffen. Schon von weitem ging das Geratter in meinem Kopf los: Männer, Mistkerle, machen mit einem Riesenkrach alles kaputt! Beim näher kommen sah ich zwei hübsche Hunde bei ihnen, auch einen braunen und einen schwarzen. Die ließen uns ohne einen Mucks vorbei, obwohl unsere Kleine richtig zickig ist. Die Männer und ich wechselten ein paar Worte über sie, und dann meinte der Jüngere freundlich, ob ich ihnen bei der Arbeit helfen wolle. Und ich verneinte ebenso freundlich und sagte noch, dass ich Bäume am schönsten finde, wenn sie aufrecht stehen. Hinterher ging es mir richtig gut. Aber dann dachte ich an unseren gemütlichen Holzofen, und das Geratter in meinem Kopf ging weiter. Warum versucht der Verstand bloß pausenlos herauszufinden, was richtig und was falsch ist? Ist es nicht eher so, dass alles, was es gibt, richtig und falsch zugleich sein kann? Je nach Ort und Zeit und Standpunkt und Blickwinkel und so weiter. Wozu brauche ich die Sicherheit zu wissen, was gut und was böse ist, wozu brauche ich eine eigene Meinung? Manchmal nervt mich diese stupide Begrenztheit einfach nur. Habe aber noch nicht wirklich herausgefunden, wie ich anders mit der Welt kommunizieren kann. Am besten geht immer noch mit Bäumen schweigen.

2 Kommentare:

Evelyn hat gesagt…

Liebe Baumfreundin
Das Geratter kenne ich auch. Wenn es mir zuviel wird, schalte ich zwischendurch einen Please Day ein. Ich freu mich einfach an allem, was mir an diesem Tag begegnet und lasse keine Wertung zu. Heute hat mich besonders Dein Bild mit dem erleuchteten Baumstumpf erfreut.
Mitternachtsgruss aus Thailand

Juansi hat gesagt…

Lieber Zugvogel,

Please Day gefällt mir richtig gut, mach ich ja auch immer mal wieder. Ist eh bloß alles eine Frage des bewussten Wahrnehmens. Nur im Untergrund, da läuft so ein altes Konditionierungsprogramm weiter, das ich meistens gar nicht richtig mitkriege. Ziemlich erschreckend finde ich.

Gute Nacht
Juansi