19.2.06

Nasen

Shaman Flying with Bird/ Jessie OonarkKrankenhaus – ein riesiger, hässlicher, grauer Kasten, der den Ort überragt. Andauernd wird an irgendeiner Seite irgendetwas angebaut in allen unmöglichen Stilen und Farben. Jeden Tag fahre ich mit meiner Mutter hin meinen Vater besuchen. Vorn am Eingang begrüßen einen die Nasen, hauptsächlich Leute mit phantasievoll verbundenen und zugepflasterten Riechern, die zum Rauchen oder Telefonieren vor die Tür gegangen sind. Manchmal stecken Schläuche drin. Ich wunder mich jedes Mal darüber. Im Gebäude dann Beklemmung. Es ist, als ob ich einen Teil meiner Identität an der Tür abgegeben habe. Zu viele Menschen auf zu kleinem Raum, das geht schon im Fahrstuhl los, viele in Nachtzeug und Puschen. Der fährt quälend langsam, hält an jedem Stockwerk, wir müssen ins siebte. Leute sitzen in Gruppen, auf Rollstühlen, liegen auf den Gängen, schleichen mühsam vorbei, unter ihnen auch immer wieder Nasen, ich kann kaum hingucken. Dazwischen eiliges Personal mit großen Rollwägen und Besucher. Im Zimmer dann drei alte Männer nebeneinander aufgereiht, mein Vater in der Mitte. Zum Glück habe ich mich vor einigen Jahren daran erinnert, wie glühend ich ihn als Kind geliebt habe, und festgestellt, dass davon immer noch etwas da ist. Ich freu mich an den klitzekleinen Besserungen jeden Tag und bin einfach gern bei ihm.

3 Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Auweia !
Krankenhaus !
Da habe ich lang genug gearbeitet und es fehlt mir auch üüberhaupt nicht ;)

Liebe Grüsse
Ursel

Sati hat gesagt…

Ich finde Krankenhäuser furchterregend und krankmachend! Wirklich. Wie Leute da gesund werden sollen, war mir schon immer ein Rätsel. Krach und ständiges Intrabgehaltenwerden, morgens wecken und den ganzen Tag den ollen Pamp essen zu festen Mahlzeit-Zeiten und so weiter. Allein vom dem Fraß kann man krank werden... Mir die Zimmernachbarn nicht aussuchen können und das ganze Elend geballt in einem Kasten...Eine Bekannte von mir lag mal mit gebrochenem Bein auf einem Achbettzimmer. Sie stammt aus einer kinderreichen Familie, war´s gewohnt, ich wäre sicher durchgedreht da. Ich habe bislang zwei OP´s ambulant durchführen lassen und bin sofort danach wieder in meine vetraute Umgebung zurück. Beim zweiten Mal wollte die Krankenkasse mich ins Krankenhaus schicken und die ambulanten Kosten, die viel billiger waren, nicht übernehmen. Das fand ich völlig pervers - und hatte einen sehr netten Arzt, der für meine OP quasi draufgezahlt hat (Nasenscheidewand-Geschichte). Einen Tag nach der OP bin ich zum Tromelworkshop gefahren und habe sogar ein paar afrikanische Tänze - vorsichtiger halt - mitgetanzt. Wozu soll ein Mensch denn da ins Krankenhaus?
Für deinen Vater und euch alle guten Wünsche, auf das er bald nach Hause kann. Saludos, Labbatú

Juansi hat gesagt…

Danke für die guten Wünsche.