1.3.06

Hausgeister



Juansi allein zu Haus.

Lange her, dass außer mir niemand im Haus war. In dem Haus, das wir vor sieben Jahren mit meinen Eltern zusammen kauften, Halbe-Halbe sozusagen. Einige Jahre darauf verließen sie ihre geliebte Heimat am Meer und zogen zu uns, weil ihnen der Garten ums eigene Haus zu groß geworden war und sie keine andere Lösung fanden.

Das Haus ist ziemlich alt, entweder um 1800 oder 1850 gebaut, dazu gibt es unterschiedliche Quellen. Zunächst nur als winziges, eingeschossiges Fachwerkhaus, welches als Schule für dieses und das Nachbardorf diente, sowie dem jeweiligen Lehrer zur Wohnung. Die brauchten damals ja so wenig Platz! Der Hauptbalken des alten Hauses, ein riesiger dunkler Eichentrumm, verläuft heute durch das Wohnzimmer meiner Eltern. Ich glaube, darin wohnt der Hausgeist.

Anfang 1900 wurde eine neue Schule im Dorf gebaut und das Haus von einer Witwe gekauft. Wir haben die ersten Jahre noch mit der Schwiegertochter dieser Frau zusammengelebt. Innerhalb von ca. 50 Jahren wurde dann in einer Weise aufgestockt und angebaut, sodass das Haus heute Auswüchse in alle Richtungen hat und es drei Wohnungen darin gibt. In der einen, die ungefähr 20 Jahre lang ein Tante Emma Laden war und danach 10 Jahre als Wohnung genutzt wurde, ist unser Seminarraum entstanden. Wir wollen es Das bunte Haus nennen.

Das Haus hat eine wechselvolle Bau- und Familiengeschichte voller Geburten, Todesfälle, neuer Mauern und Abrisse, denn die Witwe verheiratete sich wieder und bekam noch mal drei Töchter zu dem Sohn, den sie schon hatte und der später eine Malerwerkstatt in einem Gebäude errichtete, wo heute hinterm Haus der Rasen anfängt. Die riesigen Grundsteine liegen noch in der Erde. Und viele Jahre lang wurden Schweine im Keller geschlachtet, nicht nur ab und an mal ein selber gemästetes, sondern mehrere in der Woche.

Selbst wenn ich allein bin, kann ich Geräusche von anderen Bewohnern des Hauses hören. Ich meine nicht die Hunde oder die Mäuse oder die Vögel, die zurzeit wieder ihre Nester hinter der Holzverkleidung ausbessern oder gar schon brüten. Ich kann Schritte hören und Türenklappen, so als ob ich eben doch nicht allein bin. Das geht nicht nur mir so, s
ogar die Hunde spitzen manchmal kurz die Ohren. Zum Glück steh ich auf gutem Fuß mit den Geistern, sonst würde es mich sicher gruseln.

Übrigens, hinter dem linken Fenster oben im Grün sitze ich und schreibe.



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