
Gestern war Hutzelsonntag, da haben wir am Abend den Winter ausgetrieben. Das ist hier im Fuldaer Land und in einigen anderen katholischen Gebieten der Rhön angeblich schon seit dem Mittelalter so Brauch. Am Sonntag nach Aschermittwoch wird in jedem Dorf, meist auf einer Anhöhe, ein großes Feuer entzündet. In manchen sogar mehrere, es sollen angeblich an die 300 Feuer sein, die im Landkreis an diesem Abend brennen.
Der Aufbau der riesigen Hutzelhaufen beginnt schon am Anfang des neuen Jahres. Weihnachtbäume, Hecken- und Baumschnitt werden von den Jungs und Mädchen der Freiwilligen Feuerwehr eingesammelt und aufgeschichtet. Am Tag vor dem Feuer ziehen sie dann verkleidet von Haus zu Haus, singen spezielle Lieder in einer Sprache, die ich beim besten Willen immer noch nicht verstehe, und sammeln Süßigkeiten und Geld. Sie singen: „Bann die Foasät eß begroawe, on de Giege lenn em Koaste, gitt´s no Kräppel (dos kai schroawe), om erschte Sonntig in der Foaste.” Also geschrieben geht’s schon fast.
Dann am nächsten Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, ziehen die Dorfbewohner mit Fackeln zum Feuerplatz hin, und das Feuer wird feierlich entzündet. Danach stehen alle drum herum, früher wurden auch hier gemeinsam diese speziellen Lieder gesungen. Jetzt gibt’s dafür Bratwurst und Bier.
In den ersten Jahren hier habe ich mir dies Treiben mit sehr gemischten Gefühlen angeschaut. Zumal in dem Dorf, in dem wir damals lebten, auch eine Strohpuppe als Hutzel, als Symbol des Winters mit verbrannt wurde. Hutzeln sind hier eigentlich getrocknete Birnen und Pflaumen. Mit dem Namen wurden früher aber auch alte Frauen bezeichnet. Also eine Hutzel zu verbrennen hat mich anfangs zu sehr an das Verbrennen anderer Frauen erinnert, als dass ich es genießen konnte.

2 Kommentare:
Och, schön, sowas aus dem erzkatholischen Fulda zu hören :)))
LG Ursel
Ja, und kein Priester lässt sich blicken, obwohl die sonst überall dabei sind, auch dort, wo ich sie nicht erwartet hätte. Früher muss es mal richtig wild zugegangen sein, Hutzelfeuer waren nämlich lange Zeit verboten. Seit 1910 gibt es sie wieder.
Herzlichst Juansi
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