15.3.06

Schornsteinfeger


Wildfremde Menschen umarmen Kaminkehrer auf der Straße - ein Leben als Glücksbringer

Neulich war der Schornsteinfeger bei mir. Ich hatte grade anderen Besuch, deshalb konnte ich ihm nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Es war ein freundlicher, sehr junger Mann, den ich noch nie gesehen hatte. Dachte ich. Er kannte sich aber in unserer Wohnung bestens aus. Das passt nun irgendwie gar nicht mit meiner Überzeugung zusammen, dass der Schornsteinfeger immer nur kommt, wenn mein Liebster auf Arbeit ist. Ich bin auch der Meinung, jedes Mal käme ein Anderer. Wie nun…

Eins habe ich jedoch ganz sicher wahrgenommen, dieser roch wie unsere Kamelseife. Also, wenn ich dann da so steh und rede mit dem, kommt mir jedes Mal der Gedanke, dass es Glück bringen soll, einen Schornsteinfeger anzufassen. Ich bräuchte ja nur den Arm auszustrecken, könnte es sogar ganz zufällig aussehen lassen. Ich könnte aber auch dabei lachen und einen superlockeren Spruch ablassen. Und während ich so überlege, wie und ob überhaupt ich das machen will, und dass ich ja eigentlich gar nicht dran glaube, aber schaden tut es ja bestimmt auch nicht, oder? Und wie der das wohl findet und wie oft ihm das passiert und und… und dann hab ich ihn doch wieder nicht angefasst.


Tatsächlich ist die Geschichte an dieser Stelle zu Ende. Aber grad auf meiner Hunderunde hatte ich noch mal eine alternative Vision. Also, Schornsteinfeger kommt, ich habe Besuch: Mist, muss der stinkende, nervige Typ grade jetzt kommen, wo ich Besuch hab, und sowieso immer nur dann, wenn ich zu Hause bin? Und muss der mich immer so verlogen angrinsen? Ich hasse Schornsteinfeger! Und überhaupt, was für ein alberner Quatsch, dass die Glück bringen sollen!

Hm, hört sich irgendwie blöd an. Und ich fühl mich auch irgendwie betrogen. Nämlich um eine freundliche Begebenheit, um eine vage Verheißung von Glück und um die Begegnung mit dem wunderbarsten Menschen, den ich kenne, nämlich mit mir. (Dank Ingrid, dass Du mich daran erinnert hast.)

Mensch, was habe ich für ein Glück, dass ich die Wahl habe. Das müsste mir nur noch viel öfter einfallen!



Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst

(Die Schnecke verfängt sich in ihren eigenen Gedanken oder vielmehr diese gehen mit ihr dermaßen durch, daß sie die weitere Entscheidung der Frage verschieben muß.)

von Christian Morgenstern gefunden bei Else Buschheuer

2 Kommentare:

Stela hat gesagt…

Liebe Juansi ,sowas nennt man FRÜHLINGSGEFÜHLE ,wenn junge Männer plötzlich den Wunsch in einer hochkommen lassen, sie zu umarmen.
Also wenn ich wieder alle möglichen Männer attraktiv knackig und sexy finde ,dann weiß ich jetzt ist Frühling.
Stela,die es langsam nicht mehr erwarten kann

Juansi hat gesagt…

Hallo Stela, meinst Du wirklich? Und ich hab so gehofft, ich wär aus dem Gröbsten raus - will sagen aus dem Alter, wo mir schmuddelige, nee - schnuggelische Jungmänner die restlichen Hormone in Unordnung bringen können.
Juansi noch im Winterschlaf