Heute wehen die Pollen aber stark, muss andauernd die Tastatur und den Bildschirm abwischen, weil sie wieder gelb bestäubt sind. Glücklicherweise schützen mich meine Aquamarinkette und das Beutelchen mit den Schwarzkümmelsamen um den Hals vor allzu heftigen Allergieschüben. Könnte ja auch mal das Fenster zumachen… So, gesagt getan.Meine schöne Freundin Ulrike hat mir einen Buddha geschenkt. Rechts im Bild, das ist er, irgendwie erhaben in seiner tiefen Versenkung. Den Linken, den habe ich mir mal vor vielen Jahren selber gekauft. Typisch, denke ich, wie der kleine Kerl da so dickbäuchig und feixend auf dem Sofa lümmelt, als ob er Spaß im Leben hat. Bin ich das, oder möchte ich gern so sein? Dagegen sieht der goldrote Bruder daneben richtig brav aus.
Gewissermaßen kennt das doch jede/r: „gut, dass ich nicht so wie-auch-immer bin wie der oder die da!“ Steht ja auch schon im Neuen Testament geschrieben, wie der Pharisäer seinem Gott dafür dankt, dass er selbst nicht so blöd ist wie sein Nachbar. Partnerschaften eignen sich ja auch sehr gut für dieses Spielchen.
Nun ist mein nächster Nachbar mein Partner, der Mann an meiner Seite, doch mit dem geht es mir manchmal grade andersrum. Er ist im Grunde ein ganz normaler Mensch, beileibe kein Supermann, aber er hat vieles, was mir fehlt, und was in meiner Werteskala ziemlich weit oben steht: er ist groß, schlank und gut aussehend, finde ich jedenfalls. Er hat einen Job, arbeitet meistens gern und verdient genug Geld für uns beide. Er ist kreativ, bewegt sich richtig viel und schläft immer genug. Er isst fast nie zuviel, und immer nur dann, wenn er Hunger hat. Seine Haare sind dicht und nur ein ganz bisschen von Weiß durchsetzt, und er nimmt das Leben meistens leicht, ist aber trotzdem gut strukturiert dabei. Er ist nie streitsüchtig, beinahe immer freundlich und kann gut mit allen Leuten. Er kann ganz viel reparieren, traut sich auch an nahezu alles ran und kann Schach spielen. Neben ihm komme ich mir manchmal so verkehrt vor, so unzulänglich…
…na gut, ich kann besser Computer, und außerdem bin ich eine Frau. Dafür gibt es sowieso schon mal einen Bonuspunkt, finde ich. Wenn ich koche, schmeckt es meistens besser, jedenfalls mir, meine Salatsoßen sind weniger sauer, und ich kann entspannter Auto fahren. Kreativ bin ich auch, und ich zünde mehr Kerzen und Räucherwerk an und kaufe mehr Blumen. Ich lache öfter, lauter und länger, kann einen Kopfsprung mit Anlauf vom Sprungbrett und bin auch schon mal mit einem Fußsprung vom Siebeneinhalbmeterbrett gesprungen. Ich bin selber Motorrad gefahren und einmal über eine schmale Brücke mit kniehoher Brüstung zwischen zwei Türmen der Sagrada Familia gegangen. Ich gehe mehr spazieren, lese und schreibe mehr und kann zwischendurch auch mal herzerweichend weinen.Ich sag’s ja, ich brauche bloß dringend eine neue Werteliste, dann geht’s.

6 Kommentare:
Liebe Juansi,
eine bekannte hat mir auch mal so einen "Freudebuddabauch" geschenkt und das kam so. Wir unterhielten uns über Verspannungen und da zog ich mein T-Shirt hoch, weil ich ihr zeigen wollte, wo meine Verspannung saß, da rief sie voller entzücken, mensch, hast du aber einen tollen Freudebuddabauch, der ist ja so schön rund und voller Leben, sie streichelte darüber und strahlte mich an. Zum ersten Mal in meinem Leben ist mir sowas passiert und da das so von Herzen kam, sehe ich seitdem meinen Bauch mit anderen Augen. Ja, frau braucht "bloß" eine andere Wertung, dann geht's. Bloß nicht immer wieder vergessen.
Alles Liebe Vera
PS: hat das mit der Anmeldung schon geklappt?
Liebe Vera,
so eine unerwartete Erfahrung, wie Du sie mit Deiner Freundin machtest, hat anscheinend die Kraft, ein festgefahrenes Denkmuster in einem Augenblick zu sprengen. Was für ein Geschenk! Mein Bauch erinnert mich dagegen mehr an einen gestrandeten Wal, für den ich aber Liebe und Mitgefühl habe.
Die Anmeldung ist in Arbeit. Sie müssen meiner Erklärung vertrauen, weil aus meiner Adresse mein Geschlecht nicht erkennbar ist. Ich warte noch auf die Mail.
Weißt Du, was ein "Yahoo-Profil" ist? So etwas habe ich anscheinend, ohne es zu wissen. Ich hatte nämlich meine gmx-Adresse angegeben.
Herzliche Grüße Juansi
Liebe Juansi,
du musst das Profil ausfüllen, es wird angelegt, damit die anderen sehen können, wer du bist, wenn du das möchtest. Du musst dich ja bei Yahoo anmelden und dann fragen die dich ab, solange du keine weiteren Angaben machst, steht bei dem Profil nur dein angegeber Name, sonst nichts. Alle Angaben sind freiwillig.
Kannst ja nochmal nachschauen.
Ja, du hast recht, dieses Erlebnis war echt ein Geschenkt. Hast du den Text bei Sam mit dem Wal-Sofa schon gelesen? Wale können doch wunderschön singen, vielleicht ist dein Bauch ja kein Freudebuddabauch, dafür aber ein singender Walbauch.
Bis Bald, liebe Grüße
Vera
Liebe Vera,
Walgesänge finde ich wirklich wunderschön, ich habe noch eine alte CD aus der Zeit, wo das Jede/r hörte. Werde wieder reinhören, mal schauen, ob mein Bauch seine Verwandten wiedererkennt und vielleicht sogar Lust kriegt, mitzusingen.
Bin jetzt auch angemeldet und habe ein bisschen gelesen, Du hast ja viel geschrieben, schön! Da gibt es ja jeden Tag richtig viel zum Lesen, und schreiben werde ich dann auch mal etwas.
Herzliche Grüße Juansi
Mit dem Bildervergleich hast Du mich gerade am rechten Fleck erwischt. Sovieles, was Du schreibst kommt mir bekannt und vertraut vor ohne dass es mir bewusst war. In meiner Beziehung scheinen die Rollen genau umgekehrt verteilt. Ich erkenne mich eher im asketischen, disziplinierten Buddha wieder, während mein Liebster doch viel mehr dem fülligen, lebens-freudigen, geniessenden Buddha entspricht. Wie heilsam, beide nebeneinander zu sehen und durch Dich mehr Verständnis für füllige Freude, Lust und Üppigkeit zu gewinnen.
Beijinhos aus der Algarve
Liebe Maitreya,
und Deine Sicht der Dinge vermittelt mir eine Leichtigkeit, wie ich sie in meinem Denken manchmal vermisse. Du bist möglicherweise genau wie ich dabei, das Mysterium des Daseins unter Anderem mit Hilfe einer partnerschaftlichen Bindung zu ergründen. Wer, außer unseren Verwandten vielleicht, kann uns sonst einen so klaren Spiegel vorhalten, in dem wir andauernd auch mit unseren ungeliebten Wesensanteilen sichtbar werden, wie ein Partner, den wir unserem Herzen sehr nahe kommen lassen?
The Lucky One
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