19.6.06

Brillenopfer


Und dieser noch, der letzte wahrscheinlich. Wer weiß?

Der Tod des Dschuang Dsi

Dschuang Dsi lag im Sterben, und seine Jünger wollten ihn prächtig bestatten.

Dschuang Dsi sprach: "Himmel und Erde sind mein Sarg, Sonne und Mond leuchten mir als Totenlampen, die Sterne sind meine Perlen und Edelsteine, und die ganze Schöpfung gibt mir das Trauergeleite. So habe ich doch ein prächtiges Begräbnis! Was wollt ihr da noch hinzufügen?"
Die Jünger sprachen: "Wir fürchten, die Krähen und Weihen möchten den Meister fressen."

Dschuang Dsi sprach: "Unbeerdigt diene ich Krähen und Weihen zur Nahrung, beerdigt den Würmern und Ameisen. Den einen es nehmen, um es den andern zu geben: warum so parteiisch sein?"


Bin mal wieder auf Wotans Berg gewesen. Dachte unterwegs daran, ein paar Blumen zu pflücken, um nicht mit leeren Händen zu kommen. Fand stattdessen jedoch eine kleine zauberblaue Eichelhäherfeder. Brach einen dünnen Holunderzweig, steckte die Feder da rein, umwickelte den Stock mit einem Grashalm, das sah sehr schön aus.


Dort oben weht immer ein Wind, auch wenn es unten im Tal stickig und windstill ist so wie gestern. Es ist eben ein richtiger Götter-Windberg wie der Olymp oder der Mont Ventoux in Südfrankreich, nur im Westentaschenformat. Fand den Teller an seinem Platz und steckte den Federstock dazu. Sah auch blühende Türkenbund-Lilien, deren dunkle Flecken auf den rosa Blütenblättern nach einem ähnlichen Prinzip entstehen wie Eisblumen auf Fenstern. Sie sind eine echte Rarität in unseren Breiten.


Leider hatte ich auf dem Hinweg meine schönste Lesebrille verloren, die ich zum Fotografieren brauche. Fand sie auch auf dem Rückweg nicht wieder. Na ja, ich hab noch ein paar andere, nicht so schöne, die kriegt eine heutzutage an jeder Ecke für ein paar Euro. Vielleicht ist Wotan ja auch schon ein wenig alterssichtig.

4 Kommentare:

Sati hat gesagt…

Hallo, Dschuan-Si und Juang-Dsi!

..."Und dieser noch, der letzte wahrscheinlich. Wer weiß?"
Ich weiß - glaube ich jedenfalls... das war bestimmt nicht der letzte - es beginnt ja gerade erst.

Und nun erlaube ich mir, aufgrund meiner großen Un-Geduld, diesen schönen Text mal zeitlich ein bischen vorzuziehen, in die Jetztzeit, weil ich nicht solange warten will, bis mein letztes (TRaum-) Stündlein geschlagen hat. Also, so etwa, nur nicht so wohlgeformt an Worten:

Das Leben der des Dschuang Dsi und der Juansi und vieler anderer Wesen

Dschuang Dsi spricht: "Himmel und Erde sind mein Haus, Sonne und Mond leuchten mir als Lebenslichter, die Sterne sind meine Perlen und Edelsteine, und die ganze Schöpfung ist mir allerbeste Gesellschaft. So habe ich doch ein prächtiges Leben! Was wollt ihr da noch hinzufügen?" Und der Rabe findet noch ein paar Tge was Anderes zu essen.

Schöne Grüße, Labbatú y su cuervo que tiene mucho hambre al bosque

Juansi hat gesagt…

Hallo Labbatú,
habe ich das richtig verstanden, Dein Rabe hat viel Hunger (hambre) auf Äpfel (Boskop/bosque)? Oder nein, wart mal, bosque heißt bestimmt Wald. Aber was hat er also viel hambre im Wald? Ne, ich kriegs nicht hin.
Ja, Du hast recht, warum so lange warten. Fangen wir gleich damit an. Das Leben ist schön und viel zu kurz um lange zu überlegen.
Liebe Grüße Juansi

Sati hat gesagt…

Es ist ganz einfach: Er hat viel Hunger auf Wald. Wir sind zuviel hier im Beton(j/dsch)ungel. Wir trinken auch die gute Luft dort und ziehen sie genüßlich durch alle zellen, wenn wir denn im Wald auf Ausflug sind. Buenas noches, El Cuervo y su Labbatú contenta

Juansi hat gesagt…

Echt? Hambre heißt wirklich Hunger? Ich hab bloß Quatsch gemacht, dachte bei hambre nämlich an Hamham=Essen. Mensch bin ich gut!
Ich leg mich in meinem Fachwerkdschungel jetzt mal aufs Ohr und mache einen Ausflug in meine Träume, mal schauen, wie da die Luft so ist.
Gute Nacht Juansi