12.6.06

Henna

WaldweiherHeute war mein großes Töchterchen hier und hat mir auf dem sonnigen Balkon den Kopf mit Henna voll gepackt. Farbe Terra, da kann eine sich ja viel drunter vorstellen, aber Erde an sich ist schön. Ist fast so, wie den Kopf in den Sand stecken. Oder umgekehrt? Das Henna riecht jedenfalls immer noch so wie früher, irgendwie nach einer Mischung aus gekochtem Spinat und Marihuana. Danach habe ich aus meiner alten Tüchersammlung einen dunkel gemusterten Baumwollschal rausgesucht und ihn mir um den Kopf über die Plastikhaube, die es heute ebenso wie ein Paar Plastikhandschuhe schon dazu gibt, herum geschlungen. Sehe aus wie eine Nordafrikanerin oder wie in alten Hippiezeiten. Zwei Stunden Einwirkzeit gönne ich mir, bin seeehr gespannt auf das Ergebnis. Als Gegenleistung habe ich ihr eine Limo aus unseren ersten Hollerblüten gemacht und nehme die Zeichensetzung in ihrer Diplomarbeit mal unter die Lupe. Immerhin gut 60 Seiten.

wilde Himbeerblüten

Danach haben wir noch eine Weile beieinander gesessen und uns viel erzählt. Über uns und die Welt und natürlich über die Männer im Allgemeinen und im Besonderen. Wir können viel voneinander lernen. Ich bin so froh, dass ich mit meinen Töchtern ein so entspanntes Verhältnis habe. Das war zwischen mir und meiner Mutter nicht immer so. Weiß aber inzwischen aus Untersuchungen zu dem Thema, dass das ein allgemeines Phänomen ist. Dass nämlich die Nachkriegsgeneration sich heftig gegen ihre Eltern zur Wehr setzen und sich gegen sie abgrenzen musste, was in den Sechzigern und Siebzigern ja auf vielfältige Weise tatsächlich auch geschah.

Rosen und Stacheln

Heute dagegen kommt es nicht selten vor, dass Eltern und Kinder die gleichen Filme sehen, dieselbe Musik bevorzugen, dass Mütter und Töchter die Klamotten tauschen und miteinander reden wie Freundinnen. Ein extremes Beispiel dafür zeigt die Serie Gilmore Girls im Fernsehen, die beide Töchter begeistert sehen. (Mir geht dieses Girliegetue der Mutter und die Tochter dazu als Vernunftsapostel ziemlich gegen den Strich.) Marktforscher haben auch grad eine neue Zielgruppe ausfindig gemacht, nämlich 35-45jährige, die am liebsten nie erwachsen werden wollen. Sie nennen sie Grups und Yindies, kurz für grown ups und eine Zusammensetzung von youth und independence. Na, mal gucken, was als nächstes kommt.

kosmischer Schmetterling landet

2 Kommentare:

sebastianne hat gesagt…

liebe juansi,
als ich deine ersten zeilen über moderne mutter-tochter-beziehungen gelesen habe, dachte ich mir sofort, dass da sicher ein verweis auf die gilmore girls kommt. und, siehe da: richtig gelegen. ich sehe das ähnlich wie du. mit dieser mutterfigur kann ich absolut nichts anfangen. finde sie eher gruselig.

auf dein farbergebnis bin ich ja mal gespannt! ;-)

liebe grüße,
anne

Gabriela B. Lopes hat gesagt…

liebe juansi,
dann bin ich also eine grupi. hoert sich fast an wie grufti. fühlt sich aber gar nicht so schlimm an.
dein geschirr ist uebrigens wunderschoen geworden...
liebe gruesse
gabriela