
Habe heute die Wollsachen im Schrank gelassen und dem frustrierenden Landleben den Rücken gekehrt. Stattdessen mit dem Liebsten uns einen schönen halben Tag in der Barockstadt gemacht. Haben in der Sonne gesessen und mit noblem Blick auf das barocke Stadtschloss gefrühstückt.

Sind später im Schlossgarten lustwandelt, haben zwölf verschiedene Minzsorten in Kübeln bestaunt und beschnuppert (im Ganzen gibt es ca. 200 Minzsorten) und haben den Enten dabei zugesehen, wie sie sich am Teich füttern ließen.

Ich bin so Eine, die einfach glücklich ist, wenn es um sie herum sprießt und grünt und blüht. Am liebsten mag ich’s wild, aber es darf auch schon mal ein Park sein, wenn daheim auf dem Lande sowieso nur noch alles kurz und klein geschlagen wird.

Ich habe ja auch so die Neigung, mir meinen Lebensraum zu Hause mit großen Grünpflanzen voll zu stellen.
Orangerie

Und wenn die Bäume und Büsche in dem Lustgarten dann groß und üppig wachsen dürfen, habe ich auch nichts gegen ein paar gepflegte, bunte Blumenrabatten dazwischen einzuwenden und Bänke und Teiche mit Wasserspielen.
Dom

Und das Spiel von Licht und Schatten ist im Spätsommer auch ganz besonders. Irgendwie sind die Kontraste jetzt stärker, die Konturen schärfer, als wenn alles im Hochsommer in der Hitze flimmert.
spätromanische Michaelskirche

Bloß Figuren konnten die überhaupt nicht im Barock. Die sind ja alle samt und sonders so was von ausgesprochen hässlich. Irgendwie nur verbeulte Gesichter, leidende Mienen und plumpe, verdrehte Körper. Da ist man ja heutzutage anderes gewöhnt aus der Medienwelt, selbst so eine simple Schaufensterpuppe hat da mehr Grazie.
Stadtschloss mit Bonifatiusdenkmal

Dann haben wir noch Besorgungen gemacht – nein, nicht geshoppt, sondern lauter wichtige und nützliche Dinge halt besorgt. Und als wir aus dem letzten Laden kamen, einem Baumarkt, wo wir eine kleine Dose schwarzen Metall-Lack erstanden hatten, brach ein Unwetter los, das war vom Feinsten. Der Bus stand aber gleich davor und wir blieben fast völlig trocken. Es hat gekübelt wie aus Eimern und es blitzte in rascher Folge. Die Straße war kaum noch zu erkennen.

Hat mich heute aber überhaupt nicht gekümmert, mir ging es einfach nur gut. Und am Nachmittag schien schon wieder die Sonne.
Die Melancholie hatte sich heute glücklicherweise komplett wieder verpfiffen.

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