23.8.06

Landleben

Und wenn ich schon mal dabei bin, kann ich ja auch noch über den Rest des ländlichen Lebens lamentieren. Habe vielleicht grade so eine melancholische Phase zu fassen. Das muss daran liegen, dass der Sommer zu Ende geht und es mir so kalt ist.

In den nun siebeneinhalb Jahren, die wir hier wohnen, beobachte ich nämlich eine fortschreitende Verdrängung des Lebendigen. Die Feld- und Waldwege werden kontinuierlich verbreitert, asphaltiert oder verschwinden unter dicken Schichten hässlichen Schotters.

Der Bewuchs der Randstreifen, bzw. die Waldränder und die Feldraine werden gnadenlos abgeholzt bis auf den Grund. Jedes Jahr ein Stückchen mehr. Jetzt kann eine zwar weit gucken, aber es gibt bald nichts Schönes mehr zu sehen.


Ein paar riesige Linden am Bach in unserer Straße wurden gefällt, weil sie nicht mehr sicher standen, aus dem gleichen Grund fällte der Nachbar eine fast hundertjährige Trauerweide in seinem Vorgarten, die zweite beschnitt er brutal. Die hatten immer so schön den Blick auf den hässlichen Kirchplatz verdeckt! Der Nachbar auf der anderen Seite fällte seine wunderschönen Erlen im Bach vorm Haus.

Und fast hätte ich's vergessen, so schrecklich war es. Vor knapp zwei Jahren wurden im Wald an einem ganz verwunschenen Platz ca. 30 uralte Eichen gefällt, die Stämme so dick, dass es mehrere Leute brauchte, die zu umfassen.

Das alles macht mich oft traurig. Las letztens, dass Goethe geschrieben hat, er hätte über einen gefällten Baum geweint, kann ich ja jetzt hier sagen, ich auch schon mal. Dann denke ich manchmal wieder, ja gut, jetzt haben sie hier rumgewütet, das wächst ja auch wieder nach. Aber mittlerweile wüten sie ganzjährig. Und ich betrachte das alles eben aus meinem melancholischen Blickwinkel im Moment.

Wenn das immer so weiter geht, ist doch irgendwann die ganze Welt zubetoniert, oder? Die hören doch nicht freiwillig irgendwann plötzlich auf damit. Schneller, höher, besser, mehr, das funktioniert doch nur, wenn es immer weiter geht.

Wer sagt denn mal Stopp, bis hierher und nicht weiter?

Ich mach’s jetzt wie der Baumgeist oben auf dem Bild und strecke mal allen ordentlich die Zunge raus!

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich mach das gerne und sofort! Also, dann mal los...

STOP, BIS HIERHER UND NICHT WEITER !!!

Ich hoffe ich konnte helfen und einen Beitrag zum Erhalt des Lebens leisten.
Alles Liebe und Kopf Hoch
derbeidemimmernochsommerist

musste aber auch wirlich mal gesagt werden.....

Juansi hat gesagt…

Kannst Du das nicht mal ganz laut bei mir im Wald sagen?

Heute schien dann auch mal wieder die Sonne, nachdem ich mir mehrere Wollsachen und meine Stiefel angezogen hatte. Mir war sowas von heiß da draußen, das fand ich auch wieder nicht gut.

Ich glaube, mir ist zurzeit einfach nicht zu helfen. Das ist vielleicht schon die erste Herbstdepri.

Da muss ich durch!

Schönen Sommer noch
Juansi

sulamay hat gesagt…

Das macht aber auch der Neumond. Einhalt gebieten, was den Ruin der Natur anbelangt. Ich habe viele Jahre aktiv beim BUND mitgearbeitet. Wir haben an Waldrändern Büsche gepflanzt, die umliegenden Wälder fotografiert und die Veränderungen publik gemacht. Die Wälder gibt es noch, sie werden gehegt wie Augäpfel. Ein freier Hang sollte bebaut werden. Wir hatten das gestopt, da uns bekannt war, dass nur dort eine ganz seltene wilde Tulpenart wächst und gedeiht. Dort steht bis heute kein Haus, das wurde mit der Stadt zusammen sanktioniert und die Streuobstwiesen gibts auch noch alle, der BUND rupft mit Schülern in jedem Frühjahr die neugekeimten Nadelbäumchen aus.
Gibt es bei dir in der Gegend keinen BUND oder eine andere Interessengemeinschaft, die sich da einsetzt? Das bedeutet viel Arbeit, aber in Ulm hatten wir damit viel Erfolg. Auch die Initiative, die ich geleitet hatte, hatte Erfolg.

Nur Mut! Wenn du es willst, findest du Mitstreiter und ihr könnt mit Sicherheit was bewegen.

Lieben Gruß Sulamay

Juansi hat gesagt…

Mir ist zurzeit so was von gar nicht nach mitstreiten zu Mute, liebe Sulamay.
Ich bin einfach gern draußen, laufe dort herum und schau mir die Welt an. Und an manchen Tagen finde ich sie schöner als an anderen. Das ist für mich okay so wie es ist.
Liebe Grüße Juansi