17.9.06

Fahrradpöbel

Bin das erste Mal in diesem Jahr mit dem Fahrrad gefahren, war zu müde um zu laufen. Wir haben zwar einen schicken neuen Fahrradweg direkt hinter unserem Garten auf der alten, stillgelegten Bahnlinie, aber der ist bei schönem Wetter am Wochenende überfüllt. Und die Leute flitzen in ihren bunten Klamotten nur so die Hügel hoch. Mit den Hunden habe ich da keine Chance, und gepöbelt wird auch gern so im Vorbeirauschen. Das muss ich mir nicht geben. Diesmal hatte ich sogar drei Hunde dabei.

Glücklicherweise gibt es ja auch noch die guten alten Feldwege, an deren Asphaltierung ich mich beim Fahrradfahren gar nicht so störe. Obwohl mein absolut ultimatives Glücksgeräusch Fahrradreifen sind, die auf Sand und Steinchen knirschen. Da hocke ich sofort wieder im Kindersitz auf dem Rad meines Vaters beim Sonntagsausflug mit der Familie an den Beidendorfer See.

Auf einem stillen Waldweg überholte mich eine laute, bunte Meute, alles Männer mit Helm. Die haben auch noch geklingelt und ‚Vorsicht!’ gerufen. Ich glaub, die waren ein bisschen angespannt, weil es ja auch Hunde gibt, die Radlern in die Waden beißen. Haben unsere jedoch nicht im Entferntesten Interesse daran, und endlich durfte ich auch mal pöbeln, ob denn eine nicht mal im Wald in Ruhe vor sich hinradeln kann.

Müde Fahrrad zu fahren ist gar keine so tolle Idee, weil ich immer viel zu ehrgeizig in die Pedale trete, bis der Kopf knallrot ist und die Luft weg. Dabei mache ich schon mein privates Biathlon – treten, so lange es geht, und wenn’s zu steil wird, halt schieben.

Ich mag aber den kleinen Geschwindigkeitsrausch, wenn’s die Hügel wieder abwärts geht, der Fahrtwind an den Ohren vorbeizischt, und ich endlich mal schneller als die Hunde bin.

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