5.1.07

Schnick Schnack Schnuck

Eigentlich habe ich ja nicht mehr so viel über für Denkkonzepte, wie das früher einmal der Fall war. Es gab Zeiten, da war ich geradezu wild auf philosophische Systeme und traditionelle Gedankengebäude aus allen möglichen Zeiten und Kulturen und Religionen der Welt, hoffte in einem von ihnen einmal der letztendlichen Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Ob es das ‚Wort Gottes’ in der Bibel war, die Bhagavad Ghita, der Buddhismus, der Tarot, die Astrologie, Kabbala, Sozialismus, Kommunismus, Ökofeminismus oder die Esoterik im Allgemeinen und im Besonderen. Und nach Erleuchtung habe ich auch noch gestrebt mit Hilfe der verschiedensten Meister. Gefunden habe ich dagegen eigentlich nur die unterschiedlichsten Versuche, DAS, was ist, zu begreifen und in Worte zu fassen. Dennoch habe ich etwas dabei gelernt, nämlich einiges über das Bedürfnis der Menschen (und meines auch), die Welt zu verstehen und zu erklären.

Vor wenigen Jahren, noch während meiner Ladenzeit, begegnete mir das Feng Shui, die Lehre von Wind und Wasser. Klar doch, die kleinen Kristalle und Spiralen ließen sich wunderbar verkaufen. Traditionelle Chinesische Medizin hatte mich schon länger interessiert, aber nun wurde ich direkt mit der Tatsache konfrontiert, dass es in der Chinesischen Philosophie fünf statt wie bei uns im Westen vier Elemente gibt. Zuerst habe ich mich sehr dagegen gesträubt. Das hiesige fünfte Element, der ‚Äther’ hatte mich auch nie so sonderlich interessiert, außer in dem Film mit Milla Jovovitch und Bruce Willis, den fand ich ganz witzig.

Diese fünf chinesischen Elemente, nämlich Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, stehen in einem ganz bestimmten Kräfteverhältnis zueinander, sie bilden einen Elementekreis, in dem jedes von ihnen einen festen Platz innehat. Jedes einzelne fördert das nachfolgende und hemmt das überübernächste. Auf diese Weise entsteht sowohl ein sogenannter Ernährungszyklus, als auch ein Kontrollzyklus, welcher letztere eigentlich eher aussieht wie ein Fünfstern, in denen die Energie zirkuliert. Das System leuchtete mir nach einer Weile der Beschäftigung damit sehr ein, aber es ist gar nicht so leicht, sich die Reihenfolge zu merken.

Nun komme ich endlich zu dem, was ich eigentlich sagen will: Letztens begenete mir mal wieder das alte Fingerspiel ‚Schnick-Schnack-Schnuck’ oder ‚Schere-Stein-Papier’. Zu diesem Zeitpunkt setzte ich auch den Link mit der kultig-bekloppten Variante des Spiels in meine Linkliste (er steht immer noch da oben rechts). Ich googelte das Netz rauf und runter, kreuz und quer, stellte meine Frage sogar auf so einer komischen Frage- und Antwortseite von yahoo.

Ich erfuhr noch mal einiges über die Regeln und die verschiedenen Varianten des Spiels, nämlich mit drei, vier oder sogar noch mehr Gegenständen, die einander in einem möglichst ausgewogenen Verhältnis gegenseitig über- oder unterlegen sind. Einer hatte da fast ein wissenschaftlich-mathematisches System draus gemacht, interessant! Ich begriff endlich, warum und auf welche Weise das Verhältnis unter drei Gegenständen ausgeglichen ist, das mit Vieren aber nicht. Nämlich der Brunnen, den Kinder gern zur Verwirrung Erwachsener als viertes Objekt hinzunehmen, ‚schluckt’ die Schere und den Stein, wird aber nur vom Papier zugedeckt, während der Stein sowohl hineinfällt, als ebenso vom Papier bedeckt wird und nur die Schere stumpf machen kann. Also hat der Brunnen z.B. fast doppelt so viele Chancen wie der Stein. Wie das Verhältnis der anderen in diesem Falle zueinander ist, spare ich mir jetzt mal, es ist wirklich verwirrend.

Interessant wurde es aber wieder, als ich erfuhr, dass mit fünf Gegenständen das Verhältnis untereinander wieder harmonisch ist. Klar, jeder von ihnen ist zwei der anderen über- und den zwei anderen unterlegen. Außerdem behaupteten noch einige Leute, der Ursprung dieses Spieles läge in China – und tataa, was meint Ihr wohl fiel mir dazu ein? Na logo, Schnick-Schnack-Schnuck mit fünf Objekten muss ursprünglich sozusagen ein Übungsspiel für chinesische Feng Shui Schüler und Medizinstudenten gewesen sein, um sich das vertrackte Kräftespiel der fünf Elemente auf spielerische Art merken zu können. Im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende sind sowohl einige der Dinge als auch der Sinn des Spieles verloren gegangen. Und letztens sah ich einen Film aus Tibet, wo junge Mönche - Kinder noch - im Klosterhof stundenlang rhythmische Frage- und Antwortspiele in Bezug auf buddhistische Lehrinhalte spielten, die durch regelmäßiges Händeklatschen und Körperbewegungen im Takt dazu begleitet wurden. So ähnlich kann ich mir das auch mit dem Schnick-Schnack-Schnuck als Lehrspiel vorstellen. Und der Name ist bestimmt eine typische Verballhornung der ursprünglichen chinesischen Silben, die die Elemente bezeichnen.

An die, die es bis hierher durchgehalten haben, meinen Gedankengängen zu folgen, meinen herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit! Ich wusste einfach keinen anderen Platz im Netz als meinen Blog, um diese weltbewegende Erkenntnis loszuwerden.

13 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

WOW!!!! *andächtigguck*
das ist ein tolles Gefühl, wenn wir auf einmal solch eine Erkenntnis haben...
irgendwie ist das wie eine Geburt... nur meistens nicht so schmerzhaft *grins*
Danke schön, daß Du das augeschrieben hast, Du Liebe.
*dickesbussi* + *umarm* Dagmar

Anonym hat gesagt…

Nun, ich denke, alle Formen von Spiel und Sport sind aus "echten" Lebenssituationen
entsprungen oder entwickelt worden um als Simulation für Lebenssituationen oder Weltbildkonzepte zu dienen um in Spiel oder Sport für das echte Leben und all seine Aspekte zu lernen. Das wird mit Schnick Schnack Schnuck nicht anders sein, als zb mit Fussball.......
mit einem Augenzwinkern
Prati

kvinna hat gesagt…

Es heißt ja nicht umsonst, dass Kinder im Spiel die Welt begreifen. Und auch Erwachsene sollten das Spielen nicht belächeln... man kann so alt wern' wie 'ne Kuh...

Wobei mir auffällt, dass Mathematik sehr mystisch sein kann...

Evelyn hat gesagt…

Liebe Juansi
Ich fühle mich sehr zuhause in Deinem Gedankennetz. Hab Dank, dass Du diese Fäden zusammengesponnen hast. Und wie schön, bei Dir auch noch ein Vogelnest zu finden. Da werde ich jetzt hinfliegen.
Alles Liebe an alle aus Chiang Mai
Evelyn

Anonym hat gesagt…

es gibt doch da diesen schönen Chant "Geist des Windes trage mich.... Geist des Feuers, Geist des Wassers, Geist der Erde UND Geist des Himmels"
Ich weiß leider nicht, wo dieses Lied ursprünglich herkommt, aber auch dort sind also diese 5 Elemente zu finden....
*freu* diesen Aha-Moment hast Du mir heute Nacht beschert.
*knuddels* Dagmar

sulamay hat gesagt…

liebe Juansi,

auch ich habe mich wiederholt mit diesen fünf Elementen beschäftigt, auch mit Feng Shui etc, komme aber immer wieder ins Stocken, so wie du das beschrieben hast.
Das mit der Verbindung zu dem Spiel, diese Idee ist echt gut...mein Gedanke: Mach ein Buch draus, das ganze läßt sich erweitern, denn was du geschrieben hast, ist praktisch die Essenz. Du würdest vielen einen Weg zeigen endlich das verstehen zu lernen, was bisher immer ein Hindernis war.

vlg Sulamay

Juansi hat gesagt…

Haha, Sulamay, ich und ein Buch, wo ich doch für solche Konzepte eigentlich nichts mehr über hab. Ich glaub, ich kann sowieso nur persönlich.
Feuer, Wasser, Erde und Himmel sind doch auch bloß vier, Dagmar? Allerdings war es weniger wie eine Geburt, eher wie ein Ei legen (tut bestimmt auch weniger weh!). Die Hühner gackern danach ja auch immer so aufgeregt.
Danke für den Buchtipp, Majun, das scheint wirklich ein lesenswertes Buch zu sein.
Stimmt Prati, dazu fällt mir auch noch Tennis als ursprünglich religiöses Spiel der Mayas ein.
Das Vogelnest war wohl leer, Zugvogel? Aber ich weiß, dass da grad etwas Neues gebaut wird. Ich kann Dir den Link ja mal schicken, wenn es soweit ist.

Ich grüße Euch alle ganz herzlich
Juansi

MyM hat gesagt…

sag mal chuansi, hab ich das jetzt überlesen, oder hast du die 5 möglichkeit von ching chang chong nicht aufgeführt? ich fand deine gedanken sehr interessant, weil ich jetzt eine idee habe wie ich mir die elemente einmal merken lernen kann.. ich mein gerade dieses vor zurück und eins überspringen und so...du weißt schon

Juansi hat gesagt…

Hallo my am, genau! ching chang chong war einer der Namen des Spieles, und das klingt doch wirklich sehr chinesisch. Leider habe ich die originalen chinesischen Namen der fünf Elemente weder im Netz noch in meinen Büchern gefunden, das wäre auch noch eine Spur. Über das fünfte Objekt beim Spiel habe ich mir tatsächlich auch schon Gedanken gemacht, mit denen ich aber bis jetzt noch nicht ans Ende gelangt bin. Stellen wir uns mal vor, wir nehmen den Brunnen als viertes Element dazu, dann fehlt uns nur noch eins. Doch was stellen die Gegenstände dar? Der Brunnen könnte vielleicht das Wasser symbolisieren, die Schere das Metall, das Papier vielleicht das Holz und der Stein wohl am ehesten die Erde. Dann fehlt noch das Feuer, für das wir uns dann eine Fingerhaltung ausdenken müssten. Und außerdem müsste noch überprüft werden, ob das ganze mit der Dominanz der Objekte im Spiel übereinstimmt. Jetzt kannst Du ja mal weiterspinnen - bin schon ganz gespannt...
Grüße von Dschuang Dsi

Anonym hat gesagt…

hihi - den Wind hast Du vergessen und Himmel gleich Äther *liebguck*
ich drück Dich... und danke für die schönen Bilder vom Holle-Trommeln -
ich freu mich -
Dagmar, die glaubt, daß ein Ei legen auch eine Geburt ist *zwinker*

Juansi hat gesagt…

Ja, stell Dir vor, den Wind habe ich glatt übersehen, typisch für mich, denn ich bin in meinem Geburtshoroskop ebenfalls vergessen worden von diesem Element.
Und das Holletrommeln hätte ich gern auch HÖR-bar gemacht, aber so weit bin ich technisch leider noch nicht.
Liebe Grüße J.

MyM hat gesagt…

schere-metall
papier-wind
brunnen-wasser
stein-erde
aber was ist dann feuer? ne brennende kerze??
schere wird stumpf an der kerze
papier verbrennt
brunnen löscht sie
stein.. ist indifferent...
liest du das hier noch???
lg myriam

Juansi hat gesagt…

Ja schon, und hab gemeinsam mit meinem Haus- und Hofmathematikus mal ein Spiel draus gemacht, bei dem einiges allerdings andersrum funktioniert als gewohnt.

Papier - bedeckt Stein + Brunnen
Feuer - verbrennt Papier + schmilzt Schere
Stein - erstickt Feuer + verschließt Brunnen (statt hineinzufallen)
Schere - schneidet Papier + wird vom Stein geschliffen (statt stumpf gemacht)
Brunnen - löscht Feuer + Schere fällt hinein

Grüße von Juansi